Unterwegs in Heidelberg
von Anna Schütz
Wir sitzen im Auto und haben neben Koffern vor allem eine Menge schöner Erinnerungen im Gepäck. Ein letztes Mal überqueren wir den Neckar, an dessen Ufern und Umland wir herrliche Tage verbracht haben und sehen im Rückspiegel die sanften Hügel der Region, die uns so gut gefallen hat. Wobei wir genau genommen gar nicht eine einzige Region, sondern verschiedene im nördlichen Baden-Württemberg durchstreift haben: Die ersten beiden Tage waren wir im Odenwald und im Neckartal. Im Anschluss bereisten wir den Kraichgau und den Naturpark Stromberg-Heuchelberg.
Hinter uns liegen einige gewanderte Kilometer des Neckarsteigs. Partiell wurden einige davon auch erklettert, wie auf der besonders spektakulären Etappe durch die Margaretenschlucht. Dabei sind wir an vielen Burgen – in der vom Dilsberg ist sogar eine Jugendherberge - und einem der ältesten und größten erhaltenen jüdischen Friedhöfe Deutschlands vorbeigekommen. Wir besichtigten Heidelberg. Da gab es viel mehr zu entdecken als das weltbekannte Schloss und den Philosophenweg. Aus der Folterkammer der Burg Guttenberg hörten wir markerschütternden Schreie. Adler sausten im Sturzflug an uns vorbei. Und beim Gedanken an den Besuch im Freizeitpark in Tripsdrill mit seinen Achterbahnen und all den anderen Fahrgeschäften leuchten die Augen meiner Kinder immer noch. Dafür schlägt mein Magen auch Tage danach noch Kapriolen. Die Herzen sind also auf unserer Rückfahrt randvoll mit Anekdoten, Emotionen und Erlebnissen. So verwundert es nicht, dass sich die Gespräche um die vergangenen Tage drehen:
„Das war so lustig, als der kleine Buntfalke auf meinem Kopf gelandet ist“, erinnert sich mein Sohn. „Aber du hast voll erschrocken ausgesehen“, unterbricht ihn seine Schwester lachend, bestätigt aber: „Das war so super da.“ Sie reden von der idyllisch gelegenen Falknerei Tinnunculus auf dem Heidelberger Königsstuhl. Wegen des schlechten Wetters musste die Flugshow leider ausfallen, wir hatten aber das große Glück, dass uns Falkner Uwe Jacob, der die Falknerei seit 20 Jahren betreibt, dennoch einige seiner Greifvögel gezeigt hat.
„Heidelberg war überhaupt total schön“, findet die Elfjährige. „Die kleinen Gassen und die schönen, alten Häuser und das Riesenfass in der Schlossruine.“ Und ich frage: „Wisst ihr noch, wie viele Liter da reinpassen?“ „Über 220.000!“ antworten beide gleichzeitig wie aus der Pistole geschossen. Es hat sie wohl beeindruckt. Ich fand die Universitätsbibliothek wunderbar: Die renaissancehaften Türme, Giebel und Erker erinnern nicht aus Versehen ans Schloss und verbinden sich mit Elementen des Jugendstils, der 1905, als das Gebäude eingeweiht wurde, gerade in Mode kam. Herrlich auch der Blick vom Philosophenweg auf der anderen Neckarseite auf das Schloss und die Altstadt, die Heiliggeistkirche und die Alte Brücke. Die ganze Schönheit des Heidelberger Panoramas kann man auch bei einer Solarboot-Tour über den Neckar erfahren. Da geht es dann zudem an den Neckarwiesen, zahlreichen Unigebäuden und am Villenviertel Neuenheim vorbei.
Für die Kinder war jedoch der Besuch des Zuckerladens der Höhepunkt ihres Besuchs in Heidelberg. Das kleine Geschäft in einer der unbedingt zu entdeckenden Nebenstraßen der Hauptstraße ist eine Oase für meine Schleckermäuler. In jedem Winkel gibt es hier Süßigkeiten zu entdecken. Und Inhaberin Marion füllt diese aus den großen Bonbongläsern für jede und jeden einzelnen liebevoll in die bunten Tüten. Bezahlt wird dann bei Jürgen hinter dem Tresen. Aber nicht einfach so; erst wenn die Würfel gefallen sind, steht der finale Preis fest. Die Spielregeln kennt nur der Chef persönlich. Das Fazit, als wir nach Ladenschluss wieder vor der Tür standen und uns fühlten, als seien wir aus einer Märchenwelt zurückgekehrt: „Mama, das war der tollste Laden ever!“

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